Zwei Sorten von Grenzen
Eine Grenze, die Willenskraft braucht, wird genau in dem Moment geprüft, in dem Willenskraft am wenigsten verfügbar ist: nach einem Verlust, spät am Abend, allein. Eine Grenze, die keine braucht, wurde vorher gesetzt und wirkt dann, ohne noch eine Entscheidung zu verlangen.
Der Unterschied ist nicht moralisch, sondern praktisch. Messbar wird er mit drei Fragen: Was kostet es, die Grenze zu setzen? Was bricht sie? Wer löst sie wieder, und wie schnell? Je länger die letzte Antwort, desto fester die Stufe.
Auf dieser Leiter stehen sechs Stufen. Die unteren drei heben Sie jederzeit selbst auf, die oberen drei nicht oder nicht sofort. Gesucht ist nicht die höchste Stufe, sondern die niedrigste, die noch ausreicht.
| Stufe | Aufwand beim Setzen | Was sie bricht | Wer sie löst |
|---|---|---|---|
| Vorsatz im Kopf | keiner | der Moment selbst | Sie, sofort |
| Notierter Betrag | eine Minute | Wegsehen | Sie, sofort |
| Gekaufter Wert | ein Gang zum Laden | ein Nachkauf | Sie, nach einem Gang |
| Eigenes Einzahlungslimit | wenige Klicks im Konto | nichts am Abend | Sie, erst nach Wartezeit |
| Monatsbetrag im Gesetz | keiner, gilt immer | nichts | niemand |
| Eintrag in der Sperrdatei | ein Antrag | nichts | frühestens nach Sperrfrist |
Stufe eins und zwei: Vorsatz und Notiz
Der Vorsatz ist die schwächste Stufe, weil er und die Versuchung am selben Ort wohnen. Er kostet nichts, und genau deshalb hält er nichts. Wer ihn als einzige Grenze hat, hat keine.
Die Notiz ist merklich besser, obwohl sie ebenfalls nichts kostet. Ein vorher aufgeschriebener Betrag verlässt den Kopf und wird nachprüfbar. Am Abend ist er dann nicht Erinnerung, sondern Text, und Text lässt sich schwerer umdeuten.
Beide Stufen taugen nur, solange nichts aus dem Ruder läuft. Wer mehrmals gegen seine eigene Notiz gespielt hat, hat nicht zu wenig Disziplin bewiesen, sondern eine zu niedrige Stufe.
Stufe drei: ein Gegenstand mit festem Wert
Hier wird die Grenze erstmals körperlich. Ein gekaufter Wert, etwa ein Code von Paysafecard, ist kein Vorhaben, sondern ein Gegenstand mit aufgedruckter Zahl. Ist er leer, hört der Abend auf, und dafür muss niemand eine Sekunde Selbstbeherrschung aufwenden.
Das ist die größte Stärke dieser Stufe und der Punkt, an dem sie überschätzt wird. Sie steht und fällt mit einer Frage: Wird nachgekauft? Ein zweiter Code im selben Abend setzt die Stufe vollständig auf null zurück. Wer das von sich kennt, geht besser eine Stufe höher.
Ein Nebeneffekt gehört dazu, und er ist unangenehm: Der Kauf erscheint im Auszug unter dem Namen des Geschäfts und nicht als Ausgabe für das Spielen. Wer seine Ausgaben nachhalten will, verliert damit die einfachste Spur.
Stufe vier: das eigene Einzahlungslimit
Jeder erlaubte Veranstalter führt im eingeloggten Bereich eine Einstellung für das eigene Einzahlungslimit unterhalb des gesetzlichen Betrags. Diese Stufe lässt sich als erste nicht in dem Moment wegräumen, in dem sie stört: Senkung wirkt gleich, Erhöhung erst nach Wartezeit.
Dieser Verzug ist der ganze Trick. Er trennt die Entscheidung von der Stimmung, in der sie fällt.
Sinnvoll ist eine Zahl, die unabhängig vom Spielen Sinn ergibt: was im Monat übrig bleibt, nachdem Miete, Rechnungen und Rücklage bezahlt sind. Wer keine solche Zahl nennen kann, hat gerade die wichtigere Information gefunden.
- Limit an einem ruhigen Tag setzen, nicht nach einem Verlust.
- Die Zahl aus dem Haushalt ableiten, nicht aus der Lust zu spielen.
- Senkungen wirken sofort und sind jederzeit möglich.
- Eine Erhöhung greift erst nach Ablauf der Wartezeit.
Stufe fünf und sechs: Gesetz und Sperrdatei
Über allem liegt eine Grenze, die niemand setzen und niemand aufheben muss. Pro Person und Monat dürfen höchstens 1000 € eingezahlt werden, zusammengerechnet über sämtliche erlaubten Veranstalter. Diese Summe hält LUGAS mit, und jede Kasse sieht dort nach, bevor sie etwas annimmt. Ein zweites Konto verändert daran nichts.
Die feste Stufe am oberen Ende ist die Sperrdatei OASIS. Ein Eintrag schließt den Zugang bei allen erlaubten Veranstaltern gleichzeitig. Eintragen kann sich jeder selbst, und nahe Angehörige können eine Fremdsperre beantragen.
Zwei Punkte werden dabei verwechselt. Außerhalb des erlaubten Bereichs fragt niemand die Datei ab, dort wirkt eine Sperre also nicht. Und ein gekaufter Wert bleibt gültig, findet aber kein Ziel mehr.
Woran man merkt, dass man die Leiter abwärts geht
Die üblichen Warnzeichen lassen sich auf dieser Leiter ablesen, denn Kontrollverlust sieht von außen wie ein Abstieg auf schwächere Stufen aus. Wer gestern ein Limit gesetzt hat und heute nach einem Anbieter ohne dieses Limit sucht, geht abwärts.
Daneben stehen die Zeichen, die mit dem Leben um das Spielen herum zu tun haben. Weiterspielen, um einen Verlust zurückzuholen. Geld leihen oder Rechnungen verschieben. Verschweigen, wie viel und wie oft. Schlaf, Arbeit oder Verabredungen, die hinten runterfallen. Gereiztheit, wenn jemand nachfragt.
Keines dieser Zeichen ist für sich ein Urteil. Mehrere gleichzeitig, über Wochen, beantwortet man nicht mit mehr Anstrengung, sondern mit einer höheren Stufe und mit einem Gespräch.
- Im selben Abend einen zweiten Wert nachkaufen.
- Beträge spielen, die vorher ausdrücklich ausgenommen waren.
- Verluste mit höheren Einsätzen zurückholen wollen.
- Über Höhe und Häufigkeit nicht mehr offen sprechen.
Wo es Hilfe gibt
Hilfe ist in Deutschland kostenfrei, vertraulich und auch anonym zu bekommen, und sie beginnt nicht erst bei einer Diagnose. Für die bundesweite Telefonberatung ist eine Bundesbehörde zuständig. Es ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Beratung zum Glücksspiel läuft dort über eine eigene Nummer. Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts.
Daneben gibt es Suchtberatungsstellen am Wohnort, getragen von Kommunen und freien Trägern. Sie beraten Spielende und Angehörige, auf Wunsch getrennt, und helfen bei Schulden und Anträgen weiter. Termine gibt es dort meist schneller als bei einer Therapie.
Bei Selbsthilfegruppen sitzen Menschen, die denselben Weg kennen, und das nimmt dem ersten Satz viel Gewicht. Wer einen Raum voller Fremder scheut, findet Gruppen auch als Telefonrunde.
Bei akuten Gedanken, sich selbst zu schaden, gilt der Notruf und nicht eine Beratungsnummer. Warten ist dann keine Option.
Wenn es jemanden betrifft, der Ihnen nahesteht
Angehörige haben zwei Möglichkeiten, die oft übersehen werden. Die erste ist Beratung für sich selbst, und dafür braucht es das Einverständnis der anderen Person nicht. Die zweite ist der Antrag auf eine Fremdsperre.
Im Gespräch tragen Beobachtungen weiter als Vorwürfe. Ein Satz über eine konkrete Nacht oder eine ausgefallene Verabredung lässt sich schwer wegdiskutieren. Eine geschätzte Verlustsumme dagegen sehr leicht, und dann landet das Gespräch beim Rechnen.
Eines sollte man nicht tun: Schulden still begleichen. Es nimmt den Druck weg, der am ehesten zu einer Entscheidung führt. Beim Ordnen der Finanzen zu helfen ist sinnvoll, sie zu übernehmen nicht.
Häufige Fragen
Reicht ein gekaufter Wert als Grenze aus?
Er wirkt, solange nicht nachgekauft wird: Ein leerer Code beendet den Abend ohne Selbstbeherrschung. Ein zweiter Kauf hebt die Wirkung auf. Wer das von sich kennt, nimmt besser ein eigenes Einzahlungslimit.
Wie setze ich ein Einzahlungslimit?
Jeder erlaubte Veranstalter führt die Einstellung im eingeloggten Bereich, meist bei den Spielerschutzeinstellungen. Senken können Sie jederzeit, anheben erst nach Ablauf einer Frist.
Was genau bewirkt ein Eintrag in der Sperrdatei?
Er schließt den Zugang bei allen in Deutschland erlaubten Veranstaltern gleichzeitig, nicht nur bei dem, über den der Antrag läuft. Außerhalb des erlaubten Bereichs wirkt der Eintrag nicht.
Kann ich mehr als 1000 € im Monat einzahlen, wenn ich mehrere Konten nutze?
Nein. Addiert wird über sämtliche erlaubten Veranstalter, und zwar pro Mensch. Die Summe hält LUGAS mit. Zusätzliche Konten oder andere Zahlungswege ändern daran nichts.
Bleibt ein Beratungsgespräch anonym?
Ja, auf Wunsch. Die bundesweite Telefonberatung zum Glücksspiel nimmt Anrufe ohne Namen an. Träger ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch Beratungsstellen am Wohnort führen ein Erstgespräch, ohne dass dabei schon etwas entschieden wird.
Was kann ich für einen Angehörigen tun?
Beratung für sich selbst in Anspruch nehmen, ohne auf dessen Zustimmung zu warten, und bei den Finanzen beim Ordnen helfen statt beim Bezahlen. Eine Fremdsperre ist der stärkste Schritt und steht nahen Angehörigen offen.